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+ Zwischen Juraseminar und Jazzprobe

Kerstin Krämer - Journalistin und Fotografin | Saarbrücken
Veröffentlicht von in Porträt · 23 Januar 2014
Tags: PorträtFeuilletonSZ

Porträt, erschienen im Feuilleton der SZ, 23. Januar 2014

Wie der saarländische Posaunist Peter Hedrich ins Bundesjazzorchester kam
Im „BuJazzO“, dem Bundesjazzorchester, trifft sich die Crème de la Crème des deutschen Jazz-Nachwuchses. Mit dabei: der saarländische Posaunist Peter Hedrich, der kurioserweise nicht Musik, sondern Jura studiert.

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Saarwellingen. Peter Hedrich ist ein Phänomen. Nicht, weil er es ganz bescheiden am liebsten sähe, wenn gar kein Aufhebens um ihn gemacht würde. Erst recht nicht, weil sein Werdegang als Blasmusiker geradezu prototypisch ist: Über Verwandte oder Bekannte rutscht man als Kind in einen Musikverein und bekommt ein Instrument zugeteilt, bei dem gerade Spielermangel herrscht – bei Hedrich war's die Posaune, was sich in seinem Fall als glückliche Fügung erwies. Ungewöhnlich ist hingegen die Tatsache, dass er es aktuell als einziger Saarländer ins „BuJazzO", ins Bundesjazzorchester, geschafft hat. Was in der Regel gleichbedeutend mit einem Wechsel ins Profilager ist. Aber, und das ist nun das wirklich Besondere: Hedrich studiert nicht Musik, sondern Jura, an der Saar-Uni. „Das Musikerleben ist mir zu unsicher", begründet der junge Tenorposaunist seine Entscheidung. Dass er die Aufnahmeprüfung dennoch bestanden hat, ist umso höher zu bewerten, als „das musikalische Niveau der Kandidaten dieses Jahr enorm hoch" war, wie Jiggs Whigham, Juror und Künstlerischer Leiter des BuJazzO, erläutert. Anfang Januar fanden in Bonn Probespiele statt, um sämtliche Orchesterpositionen neu zu besetzen; von 142 Bewerbern wurden 36 aufgenommen - darunter eben auch Peter Hedrich.

[image:image-2]Er posaunt seit seinem sechsten Lebensjahr, erst im Musikverein Reisbach, der von seinem Vater Alfred geleitet wird, später unter dessen Leitung auch in der Saarwellinger „Jailhouse BigBand". Anerkennende Worte findet Hedrich für die Nachwuchsförderung in der Landesschülerbigband „Jazz Train", die den Zwanzigjährigen just aus Altersgründen aus ihren Reihen entließ: „Peter war einer der Zuverlässigsten und das Gewissen der Band", lobte der - ebenfalls scheidende - Leiter Ernst Urmetzer beim Abschiedskonzert im Kulturzentrum Alsfassen, wo Hedrich als Solist sein lyrisches Talent demonstrierte. Bigband-Erfahrung hat er bereits reichlich. Natürlich bläst er auch im Jugendjazzorchester Saar (JJOS), das seit 2012 von dem St. Wendeler Saxofonisten und Arrangeur Martin S. Schmitt geführt wird, und sitzt obendrein in der renommierten Formation „Brassolution". Außerdem hat er ein Duo mit einer jungen Pianistin; das bislang aus Standards bestehende Programm soll nun um skandinavisch Introvertiertes erweitert werden. Hedrichs Dank gilt vor allem seinem Instrumental-Lehrer Philipp Schug: „Der fordert und fördert mich. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht im BuJazzO!" Die Verpflichtung auf Bundesebene dauert zwei Jahre - einerseits freut Hedrich sich, andererseits hat er ein wenig Bammel vorm Erfolgsdruck. Weil die Arbeitsphasen aber in den Semesterferien liegen, ist er zuversichtlich, Musik und Studium unter einen Hut zu kriegen. kek




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