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+ Musaab Al-Tuwaijari - das Schicksal hinter der traurigen Nachricht

Kerstin Krämer - Journalistin und Fotografin | Saarbrücken
Herausgegeben von in Porträt ·
Zm Gedenken an Musaab Sadeq Khaleel Al-Tuwaijari

"Man kann einen Menschen aus dem Krieg heraus holen, aber nicht den Krieg aus dem Menschen."

Musaab ist der junge Mann, der am 7. Juni 2017 in Ausübung seiner Tätigkeit als Psychologe für das Flüchtlings-Projekt HOPE des DRK (weitere Infos hier: http://lv-saarland.drk.de/angebote/migration-und-suchdienst/migration-und-integration/psychosoziales-zentrum-psz.html) in Saarbrücken auf schreckliche Art ums Leben kam: Er wurde von einem offenbar traumatisierten Flüchtling erstochen.

Er war im Krieg geboren und aufgewachsen, er war vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen, nun hat ihn der Krieg in seiner neuen Heimat eingeholt.
Er wollte Menschen helfen, die Ähnliches erlebt haben wie er.
Genau diese Mission wurde ihm nun auf tragische Weise zum Verhängnis.

Musaab war außerdem ein hoffnungsvoller Nachwuchs-Dramatiker.
Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich ihn in Wort und Bild im Rahmen eines Vorberichts für die Saarbrücker Zeitung porträtiert. Ich traf einen überaus liebenswürdigen, freundlichen und  begeisterungsfähigen jungen Mann.

Hier zur Erinnerung mein damaliger Bericht, der (um Musaabs eigene Worte zu gebrauchen) dem Opfer ein Gesicht gibt, indem es das Schicksal hinter dem Ereignis aufzeigt.

Die Fotos zeigen ihn vor dem Saarbrücker Theater im Viertel (TiV), wo sein Stück "Ausgangssperre" am 16. Juni 2016 uraufgeführt wurde.
Sein zweites Stück "Ungewiss" wurde im Herbst 2017 am Gorki-Theater Berlin als szenische Lesung eingerichtet, Infos dazu hier:
http://www.gorki.de/de/flucht-die-mich-bedingt-10-september.

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Saarbrücken. „Ich bin im Krieg geboren und aufgewachsen.“ Musaab  Al-Tuwaijari wurde 1987 in Baquba im Irak geboren und ist mit Bomben und Wirtschaftsembargos groß geworden. Aber er konnte dem Krieg auch komische Seiten abgewinnen – als absurd empfand er es etwa, dass man die angreifenden Flugzeuge meist früher hörte als den Alarm.
Nun kommt sein erstes Theaterstück auf die Bühne des Theaters im Viertel (TiV): In  „Ausgangssperre“ verarbeitet Al-Tuwaijari die Geschichte eines Freundes und lässt eigene Erfahrungen einfließen. Dabei stehen nicht die brutalen Aspekte des Krieges im Vordergrund, sondern die Schicksale hinter den Ereignissen – das Interesse des Autors gilt den Menschen, der Situationskomik und der Legendenbildung. Er schreibt über Alltagstypen und die Kleinigkeiten, die eine Gesellschaft ausmachen.
„Für mich ist es eine schwarze Komödie“, sagt Al-Tuwaijari über sein Stück, das von der Uni-Theatergruppe Thunis (Regie: Johannes Tröger) uraufgeführt wird. Es spielt 2005 im Westjordanland in Palästina: Drei Medizinstudenten, ein Iraker und zwei Palästinenser, sitzen in einem verdunkelten Wohnheimzimmer fest. Sie dürfen nicht vor die Tür, weil die israelische Armee eine Ausgangssperre verhängt hat. Bis die Soldaten auf der Suche nach Bombenbauern auch ihr Haus durchsuchen, flüchten sie sich in Geschichten, in denen sie ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten.
Musaab Sadeq Khaleel Al-Tuwaijari kam 2005 zum Studium nach Deutschland; sein Vater war bei der Deutschen Botschaft in Berlin. Aktuell macht er seinen Master in Psychologie an der Universität des Saarlandes (UdS). Nach einem Job in der Landsaufnahmestelle in Lebach arbeitet er seit 2014 in der Migrantenberatung beim Psychosozialen Zentrum des DRK in Burbach. In einem psychoedukativen Projekt in Kooperation mit Psychotherapeuten und der UdS betreut Al-Tuwaijari Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel und leistet Hilfe zur Orientierung – es geht um Vermittlungshilfe vor Ort, den Aufbau eines Netzwerks und die Bewältigung von Angststörungen, Traumata und Kulturschocks.
Zum Theater kam der Nachwuchsdramatiker erst über den Kontakt mit „Thunis“. Die Lebensgeschichte seines Freundes Mohammed Majid Milhim nahm er 2014 zum Anlass, sich mit einem Exposé bei der Theaterwerkstatt für Autoren mit Migrationshintergrund am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel zu bewerben. Als einer der Finalisten erhielt Al-Tuwaijari professionelle Unterstützung bei der Vollendung seines Stücks. Aktuell entwickelt er in einer Autorenwerkstatt des Maxim Gorki Theaters in Berlin sein zweites Stück –  Thema: Vermisste in Kriegsgebieten und der familiäre Umgang damit.
Sein eigenes Zuhause ist der Irak, doch weil er dorthin momentan nicht zurück kann, ist ihm das Saarland zur zweiten Heimat geworden. Al-Tuwaijari: „Die Saarländer sind besonders entspannt.“ kek

- Uraufführung: Donnerstag 16. Juni, 19.30 Uhr, TiV. Wieder: Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr und Sonntag, 19. Juni, 17 Uhr.
- Karten, Infos: Tel. 0681 – 390 42 06, www.dastiv.de  




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